Leseprobe "Pech und Schwefel"

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Kurzbeschreibung:
Das Chaos herrscht in den Straßen. In einer einzigen Nacht verlieren die neunjährigen Zwillinge des Hohepriesters ihre Eltern, ihr Zuhause und ihre Identität. Niemand will Ronor und Nomarac glauben, dass sie das schreckliche Inferno überlebt haben. Verzweifelt irren sie durch die Stadt, bis eine kleine Diebesbande sich ihrer annimmt. Doch gerade, als sie sich beim Diebstahl beweisen sollen, kommt alles ganz anderes. Die Zwillinge werden von den Stadtwachen festgenommen und eingekerkert. Aber das Glück spielt ihnen in die Hände. Die Brüder kommen wieder frei, jedoch nur, um von einem zwielichtigen Bordellbesitzer für die nächsten Jahre unter Vertrag genommen zu werden. Für ihn verrichten sie allerlei Arbeiten, dafür versteckt er sie in seinem Haus und gibt ihm ein anständiges Obdach. Ohne Eltern, Geld und Heimat bleiben sie notgedrungen im Bordell und finden in der Prostituierten Alori eine gute Freundin. Nach einem schrecklichen Vorfall, einige Jahre später, beschließen die Zwillinge zu fliehen. Nach Monaten auf der Flucht, von allen verlassen, kann ihnen schließlich nur noch ein Wunder helfen.

 

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Leseprobe "Pech und Schwefel" von Madison Clark
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Kapitel Eins
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Chaos

 

 

Der Wind fegte über die Köpfe der unschuldigen Opfer hinweg. Es fühlte sich an, als wollte jeden Moment ein heftiges Gewitter ausbrechen. Aber das Unwetter war bereits in vollem Gange. Nicht Regen, sondern gewaltige Feuersbrünste loderten in der Stadt und hinterließen eine Spur aus Zerstörung und Asche.

Auf den Straßen herrschte Chaos. Ein aufgestachelter Mob unkontrollierbarer Männer und Frauen fegte durch die Straßen und ließ seinem angestauten Hass freien Lauf. Mit Waffen in den Händen prügelten und stachen die wütenden Raukarii auf wehrlose Bürger ein, steckten Wohngebäude, Lagerhäuser und Geschäfte in Brand und riefen nach Freiheit. Freiheit von der Obrigkeit, die sie zwang nach den Regeln des Feuergottes zu leben und zu handeln.

Ihr eigentliches Ziel war das Anwesen des Hohepriester Josias Anthyr. Er lebte mit seiner Ehefrau und seinen Zwillingssöhnen am Stadtrand von Mayonta auf einem prächtigen Anwesen. Josias war der jüngere Bruder des mächtigsten Mannes von Leven’rauka. Seit Jahrhunderten hatten man die beiden Männer in ihren hohen Positionen immer sehr geschätzt und geehrt, sie dienten vielen heranwachsenden Jugendlichen sogar als Vorbild. Josias, seine Ehefrau Seyldia und die neunjährigen Zwillinge Nomarac und Ronor, waren bei den Bürgern Mayontas sehr beliebt gewesen. Hinter vorgehaltener Hand hatten viele gemunkelt, die gesamte Familie Anthyr stammte vom Feuergott Zevenaar persönlich ab. Außerdem war Josias ein geschickter Politiker gewesen und führte seine Regierung nicht streng nach Vorschrift wie sein Bruder. Aber vor allem nahm er sich gerne persönlich den jungen Männern an, die eine Laufbahn als Priester anstrebten.

Daher war der Tag des Chaos so überraschend über alle hereingebrochen, dass selbst die loyalen Stadtwachen, die Josias und seine Familie beschützten, machtlos niedergemetzelt wurden.

Die aufgebrachte Raukariimenge hatte sich durch blutige Straßenzüge gewälzt, am Ende das Eingangstor von Josias Anthyrs Anwesen durchbrochen und danach alles und jeden getötet, der sich ihnen in den Weg gestellt hatte. Darunter seine Ehefrau, die treuen Bediensteten und den Hohepriester selbst. Danach wurde das Haus in Brand gesteckt. Lichterloh zuckten die Flammen im Licht der untergehenden Sonne empor und der Mob hatte zufrieden seinen errungenen Sieg gefeiert.

Zwei Stunden später, unter einem Asche bewölkten Firmament hörte man ein Stöhnen, das mit einem Seufzen beantwortet wurde. Unter den Trümmern eines eingestürzten Nebengebäudes regte sich Leben.

»Mama?«, wisperte ein Junge in die Nacht hinein und hustete.

»Papa?«, flüsterte eine zweite Jungenstimme und stöhnte.

Plötzlich bewegte sich das Geröll. Eine verkohlte Holzplatte klapperte und fiel zur Seite. Unter den verbrannten Ruinen des Hauses gruben sich zwei Raukariikinder ihren Weg in die grausige Schwärze der Nacht. Das Haus war schon seit Stunden nicht mehr als das zu erkennen, was es einst gewesen war.

»Mama, wo bist du?«, jammerte der erste Junge verzweifelt.

»Ronor! Ronor, komm zu mir«, rief der zweite Raukariijunge seinem fünf Minuten jüngeren Zwillingsbruder zu, der sich inzwischen aus den Trümmern ins Freie gekämpft hatte. Er versuchte, auf wackligen Beinen aufzustehen.

»Nomarac?« Ronor kroch unter einer verkohlten Holzplatte hervor, unter der er begraben lag.

Nomarac sah sich hektisch nach seinem Bruder um. Als er ihn entdeckte, half er ihm. Er schob das schwarze Holz von ihm weg und Ronor konnte endlich ins Freie klettern, danach fielen sie sich ängstlich in die Arme. Sie schluchzten und verstanden nicht, was geschehen war. Erst als sie sich ein wenig beruhigt hatten, blickten sie entsetzt über das heillose Chaos ihres Zuhauses. Das Feuer hatte nur noch die Grundmauern stehen gelassen. Der weiße Marmor der Fassade war rußgeschwärzt. Die Flammen hatten alles auf ihrem zerstörerischen Weg ohne Gnade aufgezehrt.

Dort, wo Stunden zuvor ihr schützendes Elternhaus gestanden hatte, lagen nur noch die Reste im zertrampelten Gras. Die Fensterscheiben waren durch die Hitze zerborsten, Möbel und andere brennbare Gegenstände waren lediglich noch mit viel Phantasie als solche zu erkennen. Den angrenzenden Stall und die Pferde gab es nicht mehr, die prachtvollen Tiere waren spurlos verschwunden. Das Nebengebäude, wo Ronors und Nomaracs Mutter ihre Söhne vor dem Eindringen des Mobs in einem Lagerraum versteckt hatte, gab es auch nicht mehr, ebenso die Unterkunft für die treuen Bediensteten.

»Was ist passiert?« Ronor weinte und umklammerte mit eisernem Griff die zittrige Hand seines Zwillingsbruders.

»Ich weiß es nicht«, antwortete Nomarac und kämpfte gegen aufsteigende Tränen an. »Ich höre immer noch die Schreie und laute Schläge in meinem Kopf.«

»Mama? Papa?«, rief Ronor, in der Hoffnung eine Antwort zu bekommen. Sein Bruder schloss sich seinen verzweifelten Rufen nach ihren Eltern an.

Über eine halbe Stunde liefen sie verzweifelt in den Ruinen auf und ab, suchten nach irgendjemanden, der noch am Leben war und ihnen sagen konnte, wo sich ihre Eltern befanden, aber sie entdeckten niemanden, nur die Überreste ihres Heims und verbrannte Leichen.

Erst als Nomarac, der pragmatischere der Zwillingsbrüder, sich mit traurigem Herzen eingestand, dass ihre Suche in der Nacht hoffnungslos war, und sie, erschöpft von ihrer Suche, ein wenig Schlaf brauchten, zog er Ronor mit sich. Am Rand der verbrannten Überreste, gut getarnt hinter einem blühenden Holunderbusch, gingen sie in Deckung und schliefen Arm in Arm ein.

Am Morgen weckte sie eine raue Stimme. Erschrocken spähten sie durch die dichten Zweige auf der Suche nach der Person. Nicht weit von ihnen hatten sich mehr als zwanzig Raukariisoldaten in ihren Lederrüstungen und Schwertern in den Händen um die Ruine versammelt. Anhand ihrer Kleidung erkannten die Zwillinge, dass diese Männer zur Stadtwache gehörten. Auf ihrer linken Brust war deutlich das Emblem zu sehen – die bekannte goldene Rune in Form eines M, umgeben von einer lodernden Flamme.

Wie bei allen Raukarii üblich, besaßen sie rote Haare, die in der Sonne orangefarben leuchteten. Ihre bernsteinfarbenen Augen blickten traurig über das Chaos. Die spitz zulaufenden Ohren achteten auf jedes kleinste Geräusch. Ihre bräunliche Haut war von Ruß verschmiert, und fast jeder hatte irgendwo am Körper eine verbundene Wunde.

»Malor, sieh mal dort«, machte einer der Soldaten auf sich aufmerksam. Er deutete mit der Schwertspitze in den hinteren Teil der Außenfassade. »Dort liegt jemand. Komm schnell, vielleicht ist es der Hohepriester.«

Malor, der Kommandant der kleinen Gruppe, lief zu seinem Stellvertreter. Rodas’ rechtes Auge war mit einem provisorischen Verband verbunden, während sein erschöpftes Gesicht über und über mit getrocknetem Blut und kleinen Schnitten besudelt war. Malor selbst hatte tief eingefallene Augenhöhlen, mehrere Verletzungen an beiden Oberarmen und konnte ein leichtes Hinken mit dem linken Bein nicht verbergen. Doch bevor das Schicksal des Hohepriesters und seiner Familie nicht geklärt war, gönnte der Kommandant weder sich noch seinen Leuten eine Ruhephase.

Die restlichen Stadtwachen eilten zu ihren beiden Vorgesetzten hinüber, und gemeinsam näherten sie sich dem verkohlten Leichnam. Ihre Loyalität gegenüber dem Hohepriester war groß, und so hofften sie, Josias und seine Familie noch lebend zu bergen. Das war auch der Grund, warum sie so schnell wie möglich hergekommen waren. Der Anblick, der sich ihnen jedoch jetzt bot, erstickte sofort jede Hoffnung im Keim.

»Ich fürchte, wir haben ihn gefunden«, sagte Rodas leise. Neben der Leiche schaute unter einem Geröllhaufen eine verbrannte Hand heraus.

»Das ist sein Siegelring«, flüsterte Kommandant Malor mit zittriger Stimme. Er spürte sein Herz vor Trauer und Resignation laut in der Brust schlagen. Ein Stich in der Magengegend bestätigte ihm genau das, was er vermutet hatte. Sie waren zu spät gekommen. Der Hohepriester war tot.

»Macht schon, wir müssen ihn befreien. Wenn Zevenaars Segen mit uns ist, wird er noch leben.« Rodas versuchte, seine Kameraden zu ermuntern, doch diese blieben mit gesenkten Köpfen stehen und rührten sich nicht. Das Unbegreifbare war nicht mehr rückgängig zu machen.

Schließlich rührten sich einige Männer aus der Gruppe. Tief getroffen und mit einiger Kraftanstrengung beförderten sie den Gesteinshaufen zur Seite. Darunter kam der Hohepriester zum Vorschein. Josias Gesicht war grausam verzerrt und entstellt. Schwarze Kopfhaut blitzte hervor. Der Körper war bis auf die Knochen verkohlt. Nur die Hand mit dem goldenen Siegelring hatte die Feuersbrunst unversehrt überstanden. Das kam ihnen beinahe wie ein Wunder vor.

Nach weiterem Suchen fanden sie auch die Ehefrau des Hohepriesters, und dann mehrere nicht identifizierbare kleinere Körper.

»Niemand hat überlebt«, sprach Malor die grausame Wahrheit aus und beugte sich zu den Ermordeten hinab, die sie inzwischen am Rand der Ruine im Gras aufgereiht hatten. Seine Männer folgten seinem Beispiel und es legte sich eine gespenstische Stille über die Gruppe.

»Sind schon Kundschafter auf den Weg nach Zyrakar?«, erkundigte sich Kommandant Malor, nachdem er sich wieder etwas gefasst hatte.

»Bereits in der Nacht haben sich Soldaten auf den Weg gemacht«, antwortete sein Stellvertreter. »Wenn sie nicht aufgehalten werden, müssten die schrecklichen Nachrichten spätestens morgen den Hohepriester von Zyrakar erreichen.«

»Wie wird unser Oberhaupt auf den Tod seines Bruders reagieren?«, fragte sich Malor und schüttelte seufzend den Kopf. »Besonders jetzt. Erst vor kurzem verstarb seine eigene Frau im Kindbett. Und nun ist sein Bruder und die gesamte Familie durch den Mob umgebracht worden. Eine schreckliche Tragödie und ein heimtückischer Mord.«

»Dafür werden die Verräter büßen«, spie Rodas hasserfüllt aus, während er die blutverschmierten Hände zu Fäusten ballte.

»Das werden sie. Sie und alle Vaterlandsverräter«, fügte Malor hinzu. »Wieso nur, hat niemand den Warnungen der letzten Jahre Beachtung geschenkt. Es gab genug Anzeichen, dass sich Raukarii versammeln und gegen unseren Glauben und unsere Bräuche ins Feld ziehen wollten. Wieso nur?«

»Weil niemand dachte … vor allem der Hohepriester und der Stadtrat … dass sich daraus wirklich eine Widerstandsbewegung entwickelt. Wir selbst haben auch erst davon erfahren, als es zu spät war.«

»Ja, schon …« Malor seufzte. »Wir hätten aber etwas unternehmen können. Vorher.«

Rodas legte seinem Kommandanten und Freund eine Hand auf die Schulter. »Ich weiß es ist schwer. Auch mir schmerzt das Herz. Nicht nur unser geliebter Hohepriester musste sterben. Mit ihm auch so viele unschuldige Bürger unserer Stadt, darunter auch Kinder. Aber wir dürfen uns nicht geschlagen geben. Wir müssen jetzt mehr als zuvor unsere Stärke zeigen. Das Oberhaupt von Leven’rauka wird die Schuldigen zur Verantwortung ziehen und sie mit dem Tod bestrafen. Wir dürfen uns nicht von der Verzweiflung lenken lassen. Wir brauchen einen klaren Kopf.«

Malor holte tief Luft und nickte. Er wusste, dass sein Freund recht hatte. Er durfte nicht aufgeben. Die Identifizierung und Gefangennahme der Verräter hatte jetzt oberste Priorität. »Wurden schon Raukarii geschnappt?«, erkundigte er sich und versuchte seine Wut zu zügeln.

»Ja.« Rodas schenkte ihm ein trauriges Lächeln. Gleichzeitig rückte er seine verrutschte Augenbinde zurecht. »Slanor und seine Männer haben bereits über dreißig der Aufrührer aufgespürt und ins Gefängnis gebracht. Sie suchen weiter. Rias und ihre Männer sind dabei, die umliegenden Dörfer nach ihnen abzusuchen. Du wirst sehen. Lange können sich die Verräter nicht vor uns verstecken. Wir werden sie alle bekommen.«

»Das ist gut und schlecht«, gab Malor zu bedenken. Im selben Augenblick wies er seine Männer an, die Leichen dem Levenraukischen Brauch entsprechend in die mitgebrachten Leinentücher einzuwickeln. Anschließend sollten sie die Körper auf den Pferdekarren ablegen. Dann wandte er sich wieder Rodas zu. »Ich glaube, die restlichen Verräter haben sich längst nach Caress oder Deir al-Bahri abgesetzt. Beides Städte mit schlechtem Ruf. Sobald ich Gelegenheit bekomme, werde ich den Tod unseres Hohepriester persönlich rächen.«

»Deine Loyalität in allen Ehren«, antwortete Rodas und legte ihm besänftigend die Hand auf die Schulter. »Wir werden Ratlyr Anthyrs Urteil abwarten müssen. Außerdem ist Mayonta zurzeit führerlos. Nicht nur der Hohepriester, sondern auch die meisten Raukarii aus dem Stadtrat fielen dem Mob zum Opfer. Nur die Stadtwache … also wir … haben momentan die Kompetenz für Recht und Ordnung zu sorgen. Aber Rache sollten wir ohne Erlaubnis nicht ausüben. Verrate mir lieber, wieso du plötzlich so auf Rache erpicht bist?«

Malor schlug Rodas Hand weg, drehte sich um und schnappte laut nach Luft. Er wurde plötzlich von seinen Gefühlen überwältigt und wusste nicht, ob er antworten und wenn ja, wie er es ihm klarmachen sollte.

»Was hast du?«, wagte Rodas es nochmals. »Du bist doch sonst immer so unnahbar und nun …«

»Schweig einfach«, fauchte Malor, nur um einen Augenblick später sein Verhalten zu bereuen. Er wirbelte herum, und sah seinem Freund fest in die Augen. »Ich wollte das nicht …»

»Schon gut« Rodas lächelte und winkte ab. »Du musst dich nicht entschuldigen. Wir haben alle eine schlaflose Nacht hinter uns. Vor wenigen Stunden mussten wir um unser Überleben kämpfen.«

Malor nickte dankbar. Dennoch verdiente sein Gegenüber eine Erklärung. Er räusperte sich. »Vor über dreihundert Jahren, kurz nachdem ich meine Eltern verlor, landete ich auf der Straße. Von dort hat mich Josias mit seiner Güte in sein Haus aufgenommen und mich zu einem Soldaten ausbilden lassen. In meinem Herzen ist er so etwas wie ein Vater. Und jetzt muss ich sehen …« Mitten im Satz brach er ab, schluckte merklich und kämpfte gegen die Tränen an.

Für einige Minuten schwiegen beide. Dazu gab es nichts mehr zu sagen.

»Komm, lass uns gehen. Die Männer warten schon«, sagte Malor schließlich. Er sah zu den Soldaten hinüber, die inzwischen ihre grausame Arbeit beendet und die Überreste auf einen Pferdekarren verladen hatten. Sie waren für die traurige Prozession ins Stadtzentrum bereit. Die Leichen würden im Tempel aufbewahrt werden, bis der Hohepriester aus Zyrakar sie begutachtet hatte.

In all der Zeit hatte niemand die zwei verängstigten Zwillingsbrüder in ihrem Versteck entdeckt. Sie hielten sich gegenseitig die Hände und versuchten sich so Trost zu spenden. Erst als die Stadtwachen verschwunden waren, löste sich Ronor aus seiner Starre, die ihn die ganze Zeit über gefangen genommen hatte.

»Die nehmen Papa mit«, flüsterte er und presste dabei die Lippen fest aufeinander, um nicht laut aufzuschreien. »Das können sie nicht machen.«

»Wir folgen ihnen«, sagte Nomarac und wollte bereits aufstehen, als Ronor ihn davon abhielt.

»Und was ist, wenn sie uns auch wehtun?« Er zupfte heftig an Nomaracs zerrissener und verdreckter Tunika, damit er nicht das Versteck verließ.

Nomarac blieb wo er war und dachte angestrengt über diese Möglichkeit nach. Sie könnten wirklich den Raukarii hinterher rennen, die ihre Eltern aus den Ruinen geborgen hatten. Aber was dann? Die Männer könnten auch die Uniformen der Stadtwachen gestohlen haben, und in Wahrheit grausame Diebe und Meuchelmörder sein. Obendrein ärgerte sich Nomarac, dass er das Gespräch zwischen den beiden Raukarii nicht hatte mithören können. Dafür waren er und Ronor zu weit weg gewesen. Aus diesem Grund stimmte er seinem jüngeren Bruder zu und schloss ihn liebevoll in die Arme. Sie beiden benötigten ihrer gegenseitige Wärme und den Trost des anderen.

Ronor war schon immer der Feinfühligere von ihnen. Doch er stand in Sachen Tatendrang, Ideenreichtum und Stolz seinem Bruder Nomarac in nichts nach. Und sie teilen alles miteinander. Freud und Leid, Schmerz und Glück. Jeder wusste, was der andere dachte. Jeder konnte den Satz des anderen beenden.

Die Zwillingsbrüder verharrten weiterhin in ihrem Versteck, ließen ihrer Trauer um die toten Eltern freien Lauf, weinten und versuchten zu verstehen, was plötzlich in einem Flammeninferno über sie gekommen war. Erst als die Sonne hoch im Zenit stand, legten sie sich eng aneinander geschlungen in den Schatten und schliefen ein.

»Sieh mal Clay!«, ertönte plötzlich eine laute Stimme, die sich den Brüdern näherte.

Nomarac öffnete die Augen und spürte sein Herz vor Angst schneller schlagen. Neben ihm lag Ronor, der am ganzen Körper zitterte und aufmerksam der Stimme lauschte.

„Ja, dort drüben“, antwortete ein zweiter Unbekannter mit heiserem Unterton.

Den Brüdern blieb keine Zeit mehr, sich tiefer unter den Zweigen in Sicherheit zu bringen, als auch schon drei junge Raukariimänner vor ihnen auftauchten. Sie trugen nicht die Uniformen der Stadtwache. Ihr äußerliches Erscheinungsbild war den Kindern fremd. Der Erste hatte lange schmierige Haare, die ein verschmutztes Gesicht einrahmten, und der sie mit einem merkwürdigen Lächeln beobachtete. Seine Kleidung bestand aus einer löchrigen Hose und einer ziemlich seltsamen Weste, die keine Arme hatte und vorne offen stand, sodass man seine nackte Brust erkennen konnte. Ansonsten trug er noch einen Gürtel. In diesem steckte eine verrostete Speerspitze. Die beiden anderen ähnelten ihm in ihrem Erscheinungsbild, wobei dem Kleinsten die rechte Hand fehlte. Der Armstumpf war mit einem dreckigen Verband abgebunden. Er fixierte Ronor mit einem stechenden Blick.

»Wer seit ihr«, fragte der Raukarii ohne Hand und kam einen Schritt näher.

Die Zwillinge zuckten zusammen, rissen sich jedoch zusammen und knieten sich auf den Boden. Beide umklammerten die Hand des anderen. Dabei wurde ihnen zum ersten Mal bewusst, dass auch ihre Kleidung sehr unter den Erlebnissen der vergangenen Nacht gelitten hatte. Ihre weißen Seidenhemden waren inzwischen grau und von kalter Asche verschmiert. Die dunkelblauen Tuniken, welche ihre Mutter mit viel Liebe für sie genäht hatte, waren mit Ruß und Erde verschmutzt und die Säume teilweise aufgerissen. Die schwarzen Hosen hatten überall Flecken, während ihre braunen Gesichter voller Rußspuren waren, die schulterlangen Haare waren strubbelig und fast schon schwarz.

»Die wollen bestimmt die besten Stücke für sich behalten, Clay«, sagte der Kleinere ohne Hand und sah den Angesprochenen geheimnisvoll an.

»Davon bin ich nicht ganz überzeugt, Nyn«, antwortete der andere und kam nun ebenfalls näher, während die Brüder immer weiter nach hinten ins Gestrüpp auswichen.

»Ihr braucht doch keine Angst zu haben. Außer ihr wollt uns die Beute vor der Nase stehlen.« Clay lachte laut.

»Ich glaube, die sind neu in der Stadt«, meldete sich nun der Dritte zu Wort, der bisher nur zugehört hatte.

»Ja, das denke ich auch, Ayor«, meinte Clay. »Wo kommt ihr her?«, wandte er sich anschließend an die Zwillinge und ließ seine Finger beiläufig zur Speerspitze wandern.

Die Geste zeigte Wirkung. Ronor  zitterte noch heftiger. Nur Nomaracs unmittelbare Nähe verlieh ihm den nötigen Mut und Schutz, den er zurzeit dringend benötigte. Sein Bruder starrte stattdessen Clay an und überlegte fieberhaft, was er antworten sollte. Dabei erinnerte er sich an die Worte seines Vaters, Fremden niemals zu trauen. Und weil er nicht wusste, ob die jungen Männer nun eine Gefahr für ihn und Ronor darstellten, entschied er sich kurzerhand zu lügen.

»Wir kommen aus Sunlor.« Nomarac legte all seine Überzeugskraft in diese Erklärung.

Aber kaum war sie ausgesprochen, zupfte Ronor an seinem Ärmel und flüsterte ihm ins Ohr: »Mama sagt immer, wir dürfen nicht lügen.«

Nomarac kniff ihm unauffällig in den Arm und wisperte zurück: »Ich weiß. Aber wir dürfen ihnen nicht sagen, wer wir wirklich sind. Verstehst du? Wir kennen sie nicht. Vielleicht wollen die das Gleiche machen, wie die Männer gestern.«

Das leuchtete Ronor ein und er überließ seinem Bruder das Reden.

»Sunlor ist zwei Tagesmärsche von hier entfernt«, grübelte Clay. »Was macht ihr dann in Mayonta?«

»Das geht dich nichts an«, rief Nomarac lauter als beabsichtigt und spürte eine nie gekannte Wut in sich aufsteigen. Er wollte, dass die jungen Männer verschwanden und Ronor und ihn in Ruhe ließen.

»Schon gut.« Clay und hob beide Hände in einer versöhnlichen Geste. »Nur damit das klar ist … die Beute gehört uns! Denn wir sind die Jäger der Nacht. Die beste Diebesbande von ganz Mayonta.«

Damit wandten er und seine Kameraden sich ab. Die Zwillinge schienen ihnen plötzlich egal zu sein. Umso mehr interessierte sie jetzt ihre mögliche Beute. Aufmerksam stapften sie durch Geröll und Aschehaufen und hielten dabei Ausschau nach Wertvollem. Die Zwillinge blieben mit gemischten Gefühlen zurück und beobachteten sie dabei.

»Und was machen wir jetzt? Wie bist du auf Sunlor gekommen? Wir waren da noch nie«, fragte Ronor.

»Papa hat von dem Dorf einmal gesprochen. Besser ist es, wenn wir nicht sagen, wo wir herkommen«, erklärte Nomarac. »Wir sagen es nur, wenn wir direkt gefragt werden.«

Ronor nickte. »Ich habe Durst«, wechselte er das Thema. »Und ich habe Hunger.«

»Dann gehen wir in die Stadt und fragen, ob uns jemand was zu Essen gibt«, antwortete Nomarac zuversichtlich, obwohl er nicht wirklich daran glaubte. Doch einen Versuch wäre es wert. Ansonsten wusste er nicht, wie sie etwas für ihre leeren Mägen bekommen sollten. Ihre Eltern waren tot und in der Nähe der Diebesbande sollten sie auch nicht bleiben.

Nomarac half Ronor beim Aufstehen, und auf schwachen Beinen kamen sie hinter dem Holunderbusch zum Vorschein. Die Raukarii ignorierten sie geflissentlich. Froh darüber liefen die Zwillinge vorsichtig durch ihr zerstörtes Zuhause und erreichten daraufhin die Pflasterstraße. Diese führte direkt in Stadtzentrum, wie sie wussten. Die Straße und die teils in Trümmer gelegten Häuser waren verlassen. Kein Raukarii weit und breit, nur die verkohlten Überreste der Nachbarhäuser.

»Das ist unheimlich«, flüsterte Ronor und umklammerte die Hand von Nomarac ganz fest, der es ihm gleichtat.

Gemeinsam liefen sie die verlassene Straße entlang. Die Sonne schien herab und wärmte sie an diesem trostlosen Herbstmittag. Die Vögel zwitscherten eine traurige Melodie und die Gesichter der beiden sprachen von ihrem schrecklichen Leid.

Nach einer halben Stunde erreichten Nomarac und Ronor die ersten Häuser des Stadtzentrums. Hier herrschte immer noch das wahre Chaos. Viele Bürger, die am gestrigen Tag heil mit ihrem Leben davon gekommen waren, eilten mit schnellen Schritten durch die Straßen. Darunter viele Soldaten. Fast jedes Gebäude wies eingeschlagene Fenster, eingetretene Türen und Brandspuren auf. Viele Geschäfte hatten geschlossen, während deren Besitzer davor lauthals den Stadtwachen ihr Leid klagten. Schreiende Kinder rannten umher und riefen nach ihren Eltern, Mütter wiederum umklammerten ihre Kinder ganz fest und mischten sich unter die herumwuselnde Raukariimenge.

»Hier haben wir kein Glück«, sagte Nomarac.

»Wir können doch zum Tempel gehen«, schlug Ronor vor und hoffte, dort nicht nur ihre Eltern, sondern auch die Zevenaarpriester anzutreffen, die sie kannten und ihnen sicherlich helfen würden.

Nomarac nickte und sie marschierten weiter. Vorbei an dem großen Stadtpark von Mayonta. An diesem Ort, wo tagtäglich viele Familien ihre Zeit verbrachten, herrschte heute gähnende Leere. Die Spazierwege lagen verlassen da. Doch die farbenfrohen Blumen blühten und ein leichter Windstoß blies ihre angenehmen Düfte zu den Zwillingen hinüber, und vertrieb für einige Momente ihre niedergedrückte Stimmung. In einiger Entfernung hörten sie das Wasser des großen Springbrunnens plätschern.

Als sie den Stadtpark hinter sich gelassen und zwei Straßenkreuzungen überquert hatten, erreichten sie endlich ihr Ziel. Vor ihnen erstreckte sich groß und prachtvoll der Zevenaartempel in den blauen Himmel. Eines der vielen Gotteshäuser des Feuergottes in Leven’rauka. Er maß in Länge und Breite hundert Meter und bestand völlig aus schwarzem Marmor. An den oberen Mauervorsprüngen reckten sich kleine Zinnen hinauf, und an den vier Ecken gab es jeweils einen Wachturm. Gleichzeitig war die Außenfassade mit goldenen Ornamenten geschmückt, die fast ausschließlich das verschollene Götterschwert Ynsanter präsentierten – eines der göttlichen Symbole des Glaubens unter den Raukarii. Der Tempel war glanzvoll und mächtig. Ringsherum waren meterhohe glasklare Kristallfenster eingelassen, die am Tag das Sonnenlicht und in der Nacht das silbrig weiße Mondlicht ins Innere hinein ließen und alles in ein sanftes Glühen einhüllten.

Die Zwillinge gingen geradewegs auf die große Doppeltür aus Gold zu, die weit offen stand und jedem den Blick ins Heiligtum ermöglichte. Zu beiden Seiten standen bewaffnete Wachen, deren strenge Blicke über die vorbei gehenden Raukarii wanderten. Die Sicherheitsmaßnamen waren seit der letzten Nacht mehr als verdoppelt worden, das fiel auch den Zwillingen immer mehr auf.

Die Brüder versuchten, sich nicht beirren zu lassen und blieben vor dem Tempeleingang stehen. Doch kaum dort angekommen, versperrte ihnen plötzlich eine Stadtwache den Weg und sah sie verächtlich an.

»Haut ab!«, sagte der Raukarii und legte seine Hand auf den Schwertknauf, bereit seine Waffe sofort zu ziehen.

»Wir brauchen Hilfe«, flehte Nomarac.

»Wir wollen zu unseren Eltern«, ergänzte Ronor.

»Was ihr wollt oder nicht, interessiert mich nicht«, antwortete die Wache und knurrte ungehalten. »Zwei dreckige Straßenköder haben im Tempel nichts verloren. Wisst ihr nicht, was passiert ist?«

»Doch das wissen wir«, erwiderte Ronor, der durch den Schutz seines Bruders ein wenig mehr Selbstbewusstsein bekam. Er wollte unbedingt seine Eltern sehen, auch wenn sie nicht mehr lebten, und niemand durfte sie daran hindern. »Unsere Mutter hat uns versteckt, kurz bevor die Männer kamen und unser Haus in Brand steckten. Wir sind nämlich Josias und Seyldia Anthyrs Söhne.«

Ronor hatte kaum geendet, brachen die Stadtwachen in schallendes Gelächter aus.

Irritiert und wütend blickten die Zwillinge die Männer an.

»Lasst euch eine andere Ausrede einfallen, ihr dreckigen Diebe«, erklärte ein zweiter Soldat und gesellte sich zu seinem Kameraden. »Mittlerweile haben schon sechs stinkende Ratten vor euch diese Erklärung abgeliefert. Ihr glaubt wohl, wir sind alle dumm? Vergesst es und haut ab, bevor wir zu anderen Mitteln greifen.«

Ronor ballte plötzlich die Hände zu Fäusten und rannte auf den Wachmann zu. Mit all seiner Kraft schlug er ihm in den Magen, doch die Lederrüstung schützte den Mann gut. Als Reaktion hatte er nur ein zynisches Lächeln übrig. Seine Kameraden lachten erneut.

»Lügner! Ihr seid alle Lügner«, rief Nomarac und kam seinem Bruder zur Hilfe.

Gemeinsam erhoben sie ihre Fäuste und schlugen zu, solange, bis alle Wachsoldaten sich um sie herum versammelten hatten und zwei von ihnen sie wegzerrten und ihre Arme schmerzhaft auf den Rücken bogen. Unter Tritten und Gekreische versuchten sie sich loszureißen, aber sie waren natürlich schwächer als die Raukarii.

Nachdem diese Eskalation sich erst nach wenigen Minuten beruhigte, und die Zwillinge sich im festen Griff der Soldaten wanden, gesellte sich ein weiterer Mann zu ihnen. An seinem goldenen Abzeichen am Kragen – zwei gekreuzte Schwerter – war zu erkennen, dass er der Hauptmann war. Mit finsterer Miene blieb er stehen und verlangte sofort eine Erklärung.

Doch diese blieb ihm vorerst verwehrt, denn die Wachen konzentrierten sich nur auf die Zwillinge.

»Ihr zwei seid erbärmliche Straßenköter«, rief einer der Männer. »Habt ihr uns nicht zugehört? Hier gibt es keinen Einlass für verwahrloste Gören. Außerdem sind die Kinder des Hohepriester tot und gemeinsam mit unserem verstorbenen Oberhaupt von Mayonta im Tempel aufgebahrt. Also verschwindet und lasst euch nie mehr blicken.«

Erneut fingen die Zwillinge an zu kreischen, während ihnen die Tränen in die Augen schossen.

Im gleichen Moment trat der Hauptmann nach vorne und verpasste den Brüdern jeweils eine Ohrfeige. Anschließend gab er seinen Männern den Befehl, die Jungen auf der Stelle loszulassen. Doch bevor der eine sich der Order fügte, holte er mit seiner Faust aus und traf Nomarac am Kopf. Leicht benommen taumelte er zurück und fiel Ronor direkt in die Arme.

»Ihr Idioten«, gellte der Hauptmann und erst dann kehrte Ruhe ein. »Seid ihr von allen guten Göttern verlassen? So einen Aufstand direkt vor dem Zevenaartempel! Und das nach dem, was passiert ist. Geht alle wieder auf eure Posten. Sofort. Ich kümmere mich um die beiden. Aber du bleibst hier und erklärst mir, was los ist.«

»Kommandant Malor«, sagte der Wachmann, der Nomarac geboxt hatte. Er streckte die Schultern durch und stand stramm.

»Los, rede!« Malor blickte zwischen dem Soldat und den Zwillingen hin und her.

»Diese Bastarde behaupten, wie schon mehrere vor ihnen, sie wären die Söhne unseres verstorbenen Hohepriester«, antwortete er. Es war ihm dabei anzusehen, dass er am liebsten wieder laut aufgelacht hätte.

Malor runzelte die Stirn und musterte die Brüder noch einmal genauer. Schließlich räusperte er sich: »Geh zurück auf deinen Posten. Und ihre beide kommt mit mir.«

Widerwillig fügte sich der Raukarii und schien nicht gerade froh über den Ausgang zu sein. Ronor stattdessen lächelte glücklich und half Nomarac, dem es inzwischen ein wenig besser ging. Sie folgten dem Hauptmann, der sie um die Ecke des Tempels führte und dort abseits von Schaulustigen stehen blieb.

»Ich gebe euch einen guten Rat«, begann der Hauptmann Malor und seufzte leise. »Meine Männer sind zurzeit unberechenbar. Sie wollen mit aller Macht die Aufrührer gefangen nehmen und hängen. Ihr könnt euch glücklich schätzen, das Chaos heil überlebt zu haben.«

»Aber … aber …«, stotterten Nomarac und Ronor und wollten bereits wieder losbrüllen, aber der Hauptmann hielt sie zurück.

»Ihr seid zu einem falschen Zeitpunkt an einem falschen Ort«, fuhr Malor fort.» Geht einfach, ich lasse euch gehen. Und kommt nicht wieder zurück, denn beim nächsten Mal bin ich vielleicht nicht zur Stelle.«

»Aber wir lügen nicht«, versuchte es Ronor nochmals. Seine aufsteigende Verzweiflung brachte ihn zum Beben.

Der Hauptmann griff in seine Lederbörse, die an dem Waffengürtel hing, und holte einen kleinen Halbedelstein heraus. Der Turmalin war kaum größer als ein Fingernagel und demnach in Leven’rauka auch nicht viel wert. Denn Edelsteine waren das gängige Zahlungsmittel im ganzen Land. Er reichte den Stein an Nomarac weiter, der ihn verdutzt entgegennahm.

»Nehmt ihn und kauft euch etwas zu Essen«, sagte der Kommandant ernst. »Heute ist mein barmherziger Tag. Morgen bin ich nicht mehr so großzügig.«

Im selben Moment gesellte sich ein weiterer Soldat zu ihnen, der ebenfalls die gekreuzten Schwerter am Kragen trug. Ohne ein Wort reichte er ihm einen Lederbeutel, drehte sich um und lief wieder davon. Malor grinste und fischte eine kleine Glasphiole heraus. Die darin enthaltene Flüssigkeit schimmerte im Sonnenlicht golden. Und als er den Korken herauszog, wehte den Zwillingen der vertraute Geruch von Weihrauch in die Nase.

»Trinkt das. Das ist ein Stärkungstrank. Den können wir zurzeit alle gebrauchen.«

Mit großen Augen starrten Nomarac und Ronor das Fläschchen an. Ronor griff schließlich als erster zu und nahm einen Schluck draus. Der süß, saure Geschmack der Kräutermixtur rann seine Kehle herab und er musste husten. Danach kam Nomarac an die Reihe.

»Denkt daran, haltet euch vorerst vom Tempel fern.« Der Hauptmann Malor nahm die leere Phiole an sich und wandte sich von den Brüdern ab.

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© Madison Clark

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UPDATE:

21.01.2015

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